Grußwort der Schirmherrin 2016

Liebe Festivalgäste,

es freut mich ganz besonders, dass mir die Schirmherrschaft über das
Edelweißpiratenfestival angetragen wurde, das in diesem Jahr bereits
zum 12. Mal stattfindet. Das bedeutet, zwölf Mal die Erinnerung an
mutiges unangepasstes Verhalten von Jugendlichen während der NS-Zeit
zu aktivieren und durch das lebendige Denkmal des alljährlichen Festivals
hoffentlich auch dauerhaft wachzuhalten.
Diese Unangepassten bewegten sich jedoch keineswegs außerhalb der
stadtkölnischen Gesellschaft, sondern verweigerten sich in erster Linie
dem Drill und dem Führungsanspruch der Hitlerjugend. Sie gingen weiterhin
zur Schule oder zur Arbeit, um sich dann abends oder an Wochenenden
das Recht zu nehmen, an selbstausgesuchten Plätzen in selbstbestimmter
Kleidung selbstgewählte Lieder zu singen. In dieser Hinsicht bewahrten sich
gerade die unangepassten Jugendlichen der NS-Zeit ihre Freiräume. Hierfür
waren sie auch bereit, notfalls einen hohen Preis in Form von Verfolgung,
Verhaftung und Inhaftierung zu zahlen. Immerhin aber war ihnen die
Möglichkeit geblieben, sich – wenn oftmals auch unter Strafe –
unangepasst zu verhalten.
Diese Wahl war den jüdischen Jugendlichen unmittelbar nach der NS-
Machtübernahme vollständig und dauerhaft genommen worden. Deren
Jugendbünde wurden zunächst zwar nicht verboten, allerdings von allen
übrigen Jugendorganisationen abgetrennt und so in eine Art Ghetto
verwandelt. Dennoch boten sie den jüdischen Jugendlichen in einer
zunehmend feindlichen Umwelt zunächst noch einen gewissen Schutz-
raum. Zugleich setzte bei den jüdischen Jugendbünden nach 1933 eine
Polarisierung ein: Entweder entwickelten sie eine deutsch-patriotische
oder eine zionistische Ausprägung, wobei die Bünde der letztgenannten
Richtung ihre Mitglieder gezielt auf die Auswanderung nach Palästina
vorbereiteten.
In der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre wurden dann aber auch die
jüdischen Ju-gendorganisationen verboten. Nachdem jüdischen
Schülern am 15. November 1938 schließlich auch noch der Besuch
der allgemeinen Schulen verboten worden war, gab es für sie kaum
noch Möglichkeiten geselligen Lebens. Stattdessen erlebten sie
tagtägliche neue Verbote und Diskriminierungen.
Unter solchen Umständen blieb nur noch die Möglichkeit der Auswan-
derung, die für viele Betroffene – oft aus finanziellen Gründen und
dann erst Recht unter den Bedingungen des Krieges – aber verschlossen
blieb. Die meisten Staaten schlossen ihre Grenzen für deutsche Einwan-
derer, und im Herbst 1941 verhängten die deutschen Behörden schließlich
eine endgültige Auswanderungssperre. Die Flucht aus NS-Deutschland
war nur noch sehr vereinzelt und unter größten Gefahren möglich.
Damit befanden sich zu der Zeit, in der die Kölner Edelweißpiraten ihre
Konflikte mit Hitlerjugend und Gestapo ausfochten, die jüdischen
Jugendlichen in akuter und permanenter Lebensgefahr. Im Oktober
1941 begannen nämlich die systematischen Deportationen in die
Gettos, Konzentrations- und Vernichtungslager, denen auch ungezählte
jüdische Kinder und Jugendliche zum Opfer fielen.
Das alles darf man nicht vergessen, wenn man über jüdische Jugendbünde
während der NS-Zeit spricht. Deren Mitglieder hatten eben keinerlei
Wahlmöglichkeiten und Optionen, lebten angesichts stetig zunehmender
Ausgrenzung in einem immer stärker eingegrenzten Bereich und hatten,
sofern ihnen bis 1940/41 die Emigration nicht gelungen war, den fast
sicheren Tod vor Augen.
Dennoch sangen natürlich auch jüdische Jugendliche gern und viel –
zumal unter den bedrohlichen Umständen der Jahre nach 1933. Indem
beim diesjährigen Edelweißpiratenfestival auch deren Liedgut gedacht
wird und es in Teilen zur Aufführung kommt, wird das eingangs erwähnte
„lebendige Denkmal“ um eine wichtige Facette ergänzt. Das jedenfalls
wünsche ich den Organisatoren und ganz besonders Ihnen als Zuschauern
und – natürlich – Zuhörern.

Ihre Henriette Reker
Oberbürgermeisterin der Stadt Kö



Grußwort des Schirmherrn 2015

»Multikulti gegen Singediktatur«

Liebe Festivalgäste!

Vor einigen Wochen galt es dem 70. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1945 zu gedenken. Solche Anlässe führen uns immer wieder vor Augen, dass es keineswegs selbstverständlich ist, in Frieden und frei von allen Beschränkungen „multikulturell“ miteinander feiern zu können. Das gilt es mit Blick auf die aktuellen Krisenherde und Kriegsgebiete dieser Erde auch in diesem Jahr wieder mit allem Nachdruck zu wiederholen. Als umso wichtiger erachte ich es, dass wir uns Jahr für Jahr zusammenfinden, um im Rahmen des Edelweißpiratenfestivals ein so buntes wie deutliches Signal für eine friedliebende Welt zu setzen.
Das Musizieren und Singen diente leider nicht immer und erst recht nicht während der von Carola Stein als „Singediktatur“ umschriebenen NS-Zeit solchen Zielen. Dabei stieß die vom NS-Regime geförderte „Sangeskultur“ auf geteiltes Echo. Ein großer Teil von Kindern und Jugendlichen strömte in die Gliederungen der HJ und sog dort das ideologisch immer stärker „auf Linie“ gebrachte, oftmals rassistisch und/oder militaristisch geprägte Liedgut in sich auf. Noch heute haben viele Zeitzeugen keinerlei Probleme, auf ein Stichwort hin solche Liedtexte in Gänze zu rezitieren.
Umso wichtiger war es, dass es auch jene Jugendlichen gab, die dem Tun und den Zielen der HJ gegenüber skeptisch-ablehnend blieben oder es im Laufe der Zeit wurden. Der Ihnen wohl allen bekannte, vor einigen Jahren leider verstorbene Jean Jülich erinnerte sich: „Wir mussten beim Jungvolk ja diese kernigen Lieder singen. ‚Schießt Dich eine Kugel tot, kann ich nicht heimwärts wandern’. Edelweißpiraten haben dagegen das ‚Diwanpüppchen’ gesungen, wir haben Schnulzen gesungen, wir haben russische Lieder gesungen und Cowboy-Lieder. Wir haben damals schon Lieder gesungen, die multikulti waren. Wir haben damals in dieser Zeit, als alles rassistisch gedrillt war, da haben wir andere Völker besungen.“
Dabei verfügten die verschiedenen Gruppen der Edelweißpiraten nicht etwa über ein festes und dezidiert „politisches“ Repertoire. Vielmehr standen eindeutig gegen die HJ gerichtete Stücke neben aktuellen Filmschlagern, Besinnungslieder neben Gassenhauern, Kosakenlieder wurden durch Schnulzen wie das von Jean Jülich erwähnte „Diwanpüppchen“ ergänzt, Landsknecht- und Abenteuerlieder wechselten sich mit Stücken wie „Der Neger Jim“ ab. Bei aller Vielfalt hatten die Lieder eins gemein: Sie entsprachen nicht den offiziellen Vorgaben seitens der Reichsjugendführung. Wenn eine Gruppe es sich aber anmaßte, Lieder zu singen, die von der HJ offiziell abgelehnt oder gar verboten wurden, dann war das in den Augen der Verfolgungsbehörden ein klarer Beleg für deren staatsfeindliche Absichten.
Auch wenn solche zumeist gar nicht bestanden, so entwickelten viele der damals von den Unangepassten gesungenen Lieder im konkreten Situationszusammenhang doch einen durchaus politischen Gehalt. Erst in bestimmten Kontexten konnten viele der Lieder ihre oppositionelle Kraft entfalten und deren Singen damit zu einem in unserem Sinne „widerständigen“ Handeln werden. Das blieb der HJ und deren „Streifendienst“ natürlich nicht verborgen, weshalb sie immer wieder versuchten, solche, oftmals mit deutlicher Spitze gegen die „Staatsjugend“ umgedichteten Lieder zu unterbinden. Je stärker diese provozierten, umso beliebter waren sie bei den unangepassten Jugendlichen. Außerdem verstanden sie es immer wieder geschickt, sich in Gestapo-Verhören damit herauszureden, sie hätten doch lediglich solche Lieder gesungen, die allgemein bekannt seien. Umdichtungen wurden dabei stets bestritten und ebenso als unbekannt dargestellt wie der oftmals bündische oder gar russische Ursprung einzelner Stücke. In fast allen damaligen Vernehmungsprotokollen finden sich – in zahlreichen Varianten – derartige Verteidigungsstrategien, und es gelang Gestapo und Sondergerichten selten, diese zu entkräften. Unter solchen Umständen erwies sich das Liedgut von Navajos, Edelweißpiraten und anderen unangepassten Jugendlichen stets als ein spezifisches und wohl besonders wirksames Medium der ideologischen Konfrontation.
In diesem Sinne lassen sich Musik und Lieder der Edelweißpiraten sicherlich als widerständig verstehen. Ich gehe davon aus, dass Sie auch in diesem Jahr im Rahmen des Edelweißpiratenfestivals einige von diesen Stücken auf den verschiedenen Bühnen hören werden. Hierbei wünsche ich Ihnen nicht nur viel Freude und viele Hörgenüsse, sondern erhoffe auch den ein oder anderen Gedanken an die völkerverständigende Kraft der Musik.

Ihr Jürgen Roters,
Oberbürgermeister der Stadt Köln,
Schirmherr des Edelweißpiratenfestivals

 

Grußwort des Schirmherrn 2013

Liebe Gäste,

vor nunmehr genau 100 Jahren trafen sich im Oktober 1913 auf dem Hohen Meißner 14 jugendbewegte Gruppen und schlossen sich in der „Freideutschen Jugend“ zusammen, die sich von der autoritären wilhelminischen Gesellschaft lossagte. Das kam in der berühmten „Meißner-Formel“ zum Ausdruck: „Die Freideutsche Jugend will aus eigener Bestimmung vor eigener Verantwortung mit innerer Wahr-
haftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie
unter allen Umständen geschlossen ein.“

In der Folge entwickelte sich während der Weimarer Jahre ein buntes jugendliches Gemeinschaftsleben, das oft der Eigeninitiative Jugend-
licher entsprang, die weitgehend unabhängig von der Erwachsenenwelt agierten – und entsprechend argwöhnisch von ihr beobachtet wurden.
Um 1923 kam für diese, zumeist dem bürgerlichen Milieu entspringenden Jugendbünde der Begriff „Bündische Jugend“ in Gebrauch. Deren gemeinsamer Nenner war der Gedanke der selbstbestimmten jugend-
lichen Erziehungsgemeinschaft, die insbesondere in Wanderfahrten, Lagern und gemeinsamem Musizieren ihren Ausdruck fand; oft gepaart
mit einer Ablehnung der bürgerlichen Konsumkultur und Zwänge.

Das alles galt seit 1933 natürlich nicht mehr, als die Hitlerjugend mit
dem Anspruch auftrat, die gesamte deutsche Jugend allein zu vertreten. Wer sich dem entgegenstellte und an alten Gesellungsformen aus „bündischer“ Zeit festhalten wollte, wurde seitens der Reichsjugend-
führung diszipliniert. Als Grundlage hierfür diente schließlich ein Erlass
vom 4. Februar 1936, der die wenigen noch existierenden bündischen Gruppen endgültig auflöste und künftig jede Form bündischer Betätigung unter Strafe stellte. Fahrten und Wanderungen, das Singen bestimmter Lieder oder das Tragen von Abzeichen waren seitdem als „bündisch“ offiziell verboten.

Da das gemeinsame Singen und Musizieren in allen bündisch orientierten Gruppen aber stets eine wichtige Rolle gespielt hatte, wussten sich viele Jugendliche auf ihre Art zu wehren. Sie sangen die gängigen, vielfach aus der bündischen Jugend stammenden Fahrten- und Wanderlieder einfach weiter und dichteten sie zudem oft so um, dass daraus Lieder gegen die Hitlerjugend wurden. Selbst HJ-Lieder zählten viele Gruppen in eigenen
die „Staatsjugend“ veralbernden „Versionen“ zu ihrem Repertoire, sodass Reibereien und handfeste Auseinandersetzungen nicht ausbleiben konnten. Nicht selten endeten solche Konflikte mit der Verhaftung
durch die Gestapo, die dann unter dem Vorwurf „bündischer Umtriebe“ gegen die Jugendlichen Ermittlungen aufnahm.

Aus gutem Grund steht das diesjährige, mittlerweile schon 9. Edel-
weißpiratenfestival also unter dem Motto „bündisch + frei“. „Freiheit“
war ein Begriff, der mit den Lebensbedingungen der Jahre zwischen
1933 und 1945 nicht in Einklang zu bringen war. Das mussten schnell
auch viele ehemals bündische Jugendliche erkennen – unter ihnen auch jene, die dem neuen Regime zunächst durchaus positiv-hoffnungsvoll gegenübergestanden hatten. Ihre bündischen, auf Selbstbestimmung basierenden Ideale waren mit dem Drill und der absoluten Gehorsamspflicht in der Hitlerjugend unvereinbar, sodass „bündisch“ für viele bald zum Synonym für „frei“ wurde. Das übertrug sich auch auf die jüngeren Edelweißpiraten der Kriegszeit, die die jugendbewegte Zeit vor 1933 selbst nicht erlebt hatten, aber gebannt den Geschichten der Älteren lauschten, die von Lagerfeuer, Fernweh und unbekannten Liedern erzählten. Gerade mit der Tradierung alten Liedguts im Verborgenen hielten sie – gleichgültig ob bewusst oder unbewusst – ein Stück weit auch die Fahne der Freiheit im rauen Wind und Überwachung und Verfolgung aufrecht.

Mein besonderer Dank gilt auch dem Vorstand des Edelweißpiratenclub e.V., Betsy de Torres, Gottfried Schweitzer und Jan Krauthäuser, die dieses in vieler Hinsicht vorbildliche Festival nun schon im neunten Jahr durch manch stürmische See gesteuert haben. Ich wünsche Ihnen, liebe Festivalgäste, ein harmonisches Edelweißpiratenfestival mit vielen interessanten Begegnungen und schönen Erlebnissen.

Ihr Jürgen Roters
Oberbürgermeister der Stadt Köln,
Schirmherr des Edelweißpiratenfestivals

Grußwort des Schirmherrn 2011

Liebe Festivalgäste,

schon zum 7. Mal findet sich im Kölner Friedenspark eine fröhliche und bunte Menge von Musikern und Zuhörern verschiedenster Altersklassen und Nationalitäten zusammen, um gemeinsam das Edelweißpiratenfestival zu feiern. In diesem Jahr befinden sich einige besondere »Würdenträger« unter den Ehrengästen, denn im April durfte ich im Auftrag des Bundespräsidenten fünf ehemalige Kölner Edelweißpiraten – nicht zuletzt auch für Ihr Engagement im Rahmen der bisherigen sechs Festivals – mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen.

So bunt und vielfältig wie das heutige Festivalpublikum waren in der Zeit des Nationalsozialismus auch jene Gruppen von Jungen und Mädchen, diesich weigerten, sich der von Seiten der HJ kompromisslos eingeforderten Ordnung und Disziplin zu beugen. Zum Teil in bündischer Tradition, zum Teil auch in Nachahmung anderer Stilelementen jugendbewegten Lebens, in jedem Fall aber eindeutig gegen die „Staatsjugend“ gerichtet, trafen sich die Gruppen der Kölner „Navajos“ und „Edelweißpiraten“ an verschiedenen Stellen des Stadtgebiets oder auf Wanderungen und Fahrten.

Das geschah nie ohne „Klampfe“ und einem großen Repertoire an Liedern, von denen viele zu Spottversen gegen die Hitlerjugend umgedichtet wurden. Dieses Liedgut machte einen Großteil der Identität der Edelweißpiraten aus und stellt in aller Regel bis heute die einzigen schriftlichen Selbstzeugnisse dieser sehr heterogenen Gruppen dar. Umso erfreulicher ist es, dass nach dem Musikprojekt „Es war in Schanghai“, das das NS-Dokumentationszentrum im Jahr 2004 durchführte und das den eigentlichen Ursprung des
Edelweißpiratenfestivals darstellt, im letzten Jahr und wieder unter Mitwirkung des NS-Dokumentationszentrums das Liederbuch »Gefährliche Lieder« erscheinen konnte, das unter Mitwirkung vieler Zeitzeugen eine Vielzahl von – so der Untertitel – „Liedern und Geschichten der unangepassten Jugend im Rheinland 1933-1945“ dem Vergessen entreißt.

So wächst und gedeiht das im Wortsinn lebende „Denkmal“ des seit 2005 veranstalteten Edelweißpiratenfestivals auch in diesem Jahr weiter. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass es seitdem nicht nur gelungen ist, eine alte Tradition wiederzubeleben, sondern zugleich auch eine neue zu begründen, von der ich hoffe, dass ihr noch eine lange Lebensdauer vergönnt sein wird. Es geht nämlich nicht nur darum, Denken und Handeln der damals unangepassten Jugendlichen zu würdigen, sondern das Festival ist auch bestens geeignet, heute und künftig für ein buntes, offenes, interkulturelles und vor allem friedfertiges Miteinander zu werben.

Ihr
Jürgen Roters
Oberbürgermeister der Stadt Köln

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Vorwort 2011:

»Kein Schöner Land ...« -

Das Motto unseres Edelweißpiratenfestivals 2011 mag für manchen miss-
verständlich klingen. Am besten versteht man es, wenn man den komplettenRefrain dieses urromantischen Liedes kennt: »Kein schöner Land in dieser Zeit / als hier das uns’re weit und breit / wo wir uns finden / wohl unter Linden / zur Abendzeit«.
Geschrieben wurde es um 1840 von Anton Wilhelm von Zuccalmaglio, der
im Bergischen Waldbröl geboren wurde und in Köln das Gymnasium besucht hat, bevor er als Heimatschriftsteller, Volksliedforscher und Komponist einige Berühmtheit erlangte.
Eigentlich ist es kein typisches Edelweißpiratenlied, aber es wurde gern
gesungen. Vielleicht weil es eine so romantische, naturverbundene,
»unschuldige« Heimatliebe schildert, ganz ohne nationalistisches Pathos.
Dass es dennoch nach dem Krieg für viele unsingbar war, ja dass es sogar
lange Zeit als zynisch empfunden wurde, ist nachvollziehbar, weil dieses
»schöne, deutsche Land« für viele Jahre zum Inbegriff des Bösen mutiert
war – Krieg und Massenmord von romantischer Heimattümelei kaschiert
oder sogar befördert worden war.
Dabei übersah und übersieht man zumeist, dass nicht nur die Täter,
sondern auch die Opfer deutsch waren: Juden, Zigeuner, Kommunisten,
Schwule, Behinderte und andere »Minderheiten«, die nicht ins perverse
Schema der Nationalsozialisten passten, waren mindestens so deutsch,
wie ihre Peiniger, Mörder und deren Handlanger. Deshalb war und ist es
nicht damit getan, aller deutscher Volkstradition abzuschwören. Man muss schon genauer hinhören und differenzieren. Nicht nur aus Respekt, für Edelweißpiraten & Co, die ihrer unangepasst, romantischen Lieder wegen, verfolgt und gefoltert worden sind.
Es stärkt auch die Identität jenes diffusen Gebildes, dass wir ungern beim
Namen nennen (Staat, Nation, Volk?) dem aber letztlich auch die Chance
innewohnt, unserer ganzen deutschen Vielfalt einen Nenner zu geben; auf
dass wir es den Sarazins, Friedrichs und Schlimmeren nicht zu einfach
machen, ihre negative Defintion von »deutsch« zu etablieren, im Sinne
von »wer gehört nicht dazu ...«.
Dass »deutsch« zwar schön aber niemals eine Monokultur sein kann,
zele-brieren wir beim Edelweißpiratenfestival schon im siebten Jahr auf
vielfältigste Weise. Im Mittelpunkt steht wie immer die Musik. Mehr als
25 Bands spielen auf fünf Bühnen zu Ehren der »Antihitlerjugend«. Sie
singen in Deutsch aber auch in Suaheli, Romanes, Türkisch, Spanisch,
Russisch, Kölsch ... - weltoffen im Klang, unangepasst im besten
Edelweißpiraten Sinne!
Besonders freuen wir uns wieder auf unsere Zeitzeugen - Edelweißpiraten,
freie Bündische, Sturmscharler etc. (im Zeitzeugen-Café)! Hintergrund-
Infos gibt’s wieder in der Ausstellung des NS-Dok im Baui sowie im Buch
zum Festival »Gefährliche Lieder«, das ihr Euch am Info-Stand kaufen
solltet! Und wo wir gerade dabei sind, bitte spendet kräftig! Und esst
und trinkt an unseren Festivalbuden, damit wir diese heimatliche
Festival-Vielfalt weiterhin so schön feiern können!

Herzlichen Dank an alle Helfer + Förderer!
Jan Krauthäuser
für das Festival-Team

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Rheinlandtaler für Humba-Vorstand
Jan Krauthäuser, Humba-Mitbegründer und e.V.-Vorsitzender etc., wurde
am 14.04.2011 für seine Verdienste um die kulturelle Entwicklung des
Rheinlands vom Landschaftsverband Rheinland, LVR ausgezeichnet.

Laudatio zur Verleihung des Rheinlandtalers des Landschaftsverband
Rheinland (LVR)
Jan Krauthäuser wird für seine Verdienste um die interkulturelle
Verständigung und die Förderung der regionalen Musikkultur
ausgezeichnet.
Köln, den 14. April 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen des Landschaftsverbandes Rheinland möchte ich Sie herzlich
zu der heutigen Feierstunde begrüßen. Ich freue mich, dass wir heute
gleich vier Persönlich-keiten mit dem Rheinlandtaler auszeichnen können:
Herrn Hermann Hertling, Herrn Jan Krauthäuser, Herrn Willi Reisdorf und
Herrn Prof. Dr. Arnold Wolff.
Sie alle haben sich um die Kulturarbeit hier im Rheinland verdient gemacht, in der Denkmalpflege, in der Mundart- und Heimatpflege und in der Kulturzusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Nationalität.
Meine Damen und Herren,
Internationalität und kulturelle Vielfalt kennzeichnen den Wandel unserer
zunehmend globalisierten Welt, in der die Menschen über alle Grenzen
hinweg in Bewegung sind. Diesen gesellschaftlichen Wandel positiv zu
gestalten gehört zu den vornehmlichsten Aufgaben des Landschafts-
verbandes Rheinland.
Und damit komme ich direkt zu Ihnen, sehr geehrter Herr Krauthäuser,
denn Sie haben sich stets für das konstruktive Miteinander unterschiedlicher Kulturen in unserer Stadt eingesetzt. Als Mittel der Verständigung dienteIhnen dabei vor allem die Musik.
Meine Damen und Herren,
Herr Krauthäuser hat sich seit vielen Jahren um die Förderung der regionalen Musikkultur verdient gemacht. Bereits als Schüler begann er, Konzerte zu organisieren. Später gründete er den Verein „Humba e.V.“, der sich formiert hat, um der blühenden musikalischen Vielfalt dieser Stadt eine Bühne zu bieten.
Dabei geht es um eine Verbindung von „kölscher“ Musik und internationalen musikalischen Einflüssen aus verschiedenen Kulturen. Die heimische Musik tritt in einen fruchtbaren Dialog mit der Musik der Welt: Kölsche Lieder, gemischt mit brasilianischen Trommelrhythmen und Südseeklängen der Ukulele. Die Musik durchbricht Barrieren zwischen Lebenswelten und schafft Harmonie zwischen Kulturen – Weltmusik mitten in Köln.
Und wo und wann lassen sich regionales Brauchtum und mitreißende Tanzmusik besser kombinieren als im Kölner Karneval! Höhepunkt des Veranstaltungsprogramms des Humba e.V. ist seit 17 Jahren die „Humba-Party“.
Jedes Jahr zur Karnevalszeit präsentiert dieses Festival unter dem Motto
„kölsch-international“ ein buntes Weltmusik-Programm vom Allerfeinsten.
Dabei geht es nicht nur um "multikulti", sondern um eine generationen-
und genreübergreifende, experimentierfreudige Festkultur. Mit dem
Weltmusik-Festival, meine Damen und Herren, setzt der Verein Humba e.V.
jedes Jahr ein Zeichen für die Liberalität und Weltoffenheit der Kölner.
Wie originell und innovativ die Kulturprojekte von Herrn Krauthäuser sind,
zeigt auch das folgende Beispiel:
Was verbinden Sie, meine Damen und Herren, mit dem Begriff Schreber-
garten? Sicherlich kein nationale wie kulturelle Grenzen überschreitendes
Musikprogramm. Genau das stand aber im Mittelpunkt der „Humba-
Schrebergarten-Touren“, die der Verein vor einigen Jahren in den
Kleingartenanlagen der Kölner Vorstädte veranstaltete. Hier traf der
Schrebergarten – als sozusagen „urdeutscher“ Ort – auf die Musik
anderer Erdteile. Der Reiz dieses Projekts ist wiederum die besondere
Spannung zwischen der vertrauten, heimischen Kultur und unbekannten,
fremden Kulturen.
Auf die Initiative von Herrn Krauthäuser geht auch das Kölner „Edelweiß-
piratenfestival“ zurück, das 2005 zum ersten Mal gefeiert wurde. Die
Veranstalter bezeichnen dieses Festival zu Recht als „lebendiges Denkmal
zu Ehren der unangepassten Jugend der Nazizeit“. 2010 präsentierte das
Festival die Lieder, die von den Jugendlichen im Geiste des Widerstands
gesungen wurden und die heute von ganz unterschiedlichen Musikern für
unsere Gegenwart neu interpretiert werden. Das Projekt, das Herr Kraut-
häuser als Vorsitzender des „Edelweißpiratenclubs“ mit verantwortet, steht für eine ganz besondere Form der Erinnerungskultur. Der LVR hat das Projekt deshalb finanziell unterstützt und ermöglichte die Herausgabe
eines Liederbuches und einer CD „Gefährliche Lieder: Lieder und Geschichten der unangepassten Jugend im Rheinland 1933-1945“, welches wir hier im vergangen Jahr auch vorgestellt haben.
Sehr geehrter Herr Krauthäuser,
Ihr Thema war immer die Begegnung zwischen der heimischen, sprich der
„kölschen“ Kultur und fremden Kulturen, denen Sie mit persönlicher Ent-
deckerfreude nachgespürt haben. Mit Ihren Projekten haben Sie wichtige
Impulse gesetzt für das friedliche kulturelle Miteinander hier in Köln. Dafür
möchte ich Ihnen im Namen des Landschaftsverbandes Rheinland danken!
(es gilt das gesprochene Wort)
Jutta Eckenbach
Stellvertretende Vorsitzende der
Landschaftsversammlung Rheinland

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Grußwort des Schirmherrn 2010

Sehr geehrte Festivalgäste,

das Edelweißpiratenfestival ist für mich Traditionspflege
im besten Sinne. Nun schon zum sechsten Mal kommen
junge und alte Menschen - ob als aktiv Beteiligte oder
zum Zuhören und Mitmachen, ob kultur- oder geschichts-
interessiert -, zu einem Open-Air-Konzert der besonderen
Art zusammen. Ein Tag lang wird mit einem bunten
Programm an das Erbe der Jugendlichen angeknüpft,
die sich mit ihrer Kultur ganz elementar von den gleich-
geschalteten Jugendlichen in der Hitler-Jugend und dem
Bund Deutscher Mädel unterschieden. In ihrer Musik,
ihrer Kluft und ihrem Freizeitverhalten setzten sie der
gleichgeschalteten, staatstragenden Jugend der National-
sozialisten andere Ideale entgegen. Sie demonstrierten
damit, dass sie mit der Inhumanität des Regimes nichts
zu schaffen hatten, sondern sich als abenteuerlustige und
weltoffene Menschen humanen Grundsätzen verpflichtet
fühlten.
So ist es kaum verwunderlich, dass das NS-Regime diesem
Freigeist zutiefst misstraute und die während des Krieges
noch wachsende Schar von unangepassten Jugendlichen
als Gefahr begriff. Insbesondere die in der Kölner Region
stark vertretenen Edelweißpiraten waren der Gestapo ein
Dorn im Auge. Vor allem diejenigen unter ihnen, die aktiv
politischen Widerstand leisteten, wurden verhaftet, verhört,
gefoltert und oft auch verschleppt. Nach 1945 geriet das
widerständige Verhalten dieser Jugendlichen rasch in Ver-
gessenheit, zum Teil sogar in Verruf. Erst ein allmählicher
Prozess des Umdenkens führte dazu, dass eine Neube-
wertung dieser Jugendlichen möglich war.

Dieses Umdenken verdanken wir zunächst und vor allem
den unermüdlichen Edelweißpiraten, die wie Mucki Koch,
Jean Jülich, Fritz Theilen und viele andere Zeugnis ablegten
auch in einer Zeit, als niemand ihre Geschichte hören wollte.
Dann bedurfte es aber auch einer historischen Aufarbeitung,
die mit der Ausstellung ,Von Navajos und Edelweißpiraten
-- Unangepasstes Jugendverhalten in Köln 1933-1945' im
NS-Dokumentationszentrum im Jahr 2004 weite Kreise der
Öffentlichkeit erreichte. Auch die offizielle Anerkennung des
mutigen Widerstandes von Edelweißpiraten, an der ich in
meiner Amtszeit als Regierungspräsident mitwirken konnte,
zählt sicher dazu. Und schließlich ist der kulturelle Transfer
in die heutige Zeit zu nennen, der auf ganz hervorragende
Weise mit dem Edelweißpiratenfestival geleistet wird.

Ich bin sehr froh darüber, dass mit dem Festival eine
Tradition wiederbelebt und für die Zukunft neu begründet
wird, die die Nationalsozialisten brutal unterdrücken wollten.
Dies ist sicher das beste Mittel, um den Opfern dieser Ver-
folgung dauerhaft einen Platz in unserer Erinnerungskultur
zu bewahren.

Ihr
Jürgen Roters
Oberbürgermeister der Stadt Köln,
Schirmherr des Edelweißpiratenfestivals

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Grußwort des Schirmherrn Jürgen Roters zum
Edelweißpiraten-Festival 2009

»Gut, dass es das Edelweißpiratenfestival auch in diesem
Jahr wieder gibt. Dieses Festival ist inzwischen Tradition
und vor allem, es bewahrt die Tradition der Edelweiß-
piraten.
Die Edelweißbewegung darf nicht in Vergessenheit
geraten. Sie hat vielen jungen Menschen in der Vor-
kriegszeit einen geschützten Raum gegen militärischen
Drill und nationalsozialistische Gleichmacherei geboten.
Wir sehen es heute an den Liedern der Edelweiß-
generation. Diese Lieder lassen uns den Freiheitsdrang
und den Wunsch nach ungebundenem Denken erspüren.
Es sind nicht immer die politischen Lieder, die dies be-
weisen. Auch das ausgelassene fröhliche Zusammensein
ist schon in der Zeit der nationalsozialistischen Verein-
nahmung ein politisches Signal; ein Zeichen der
Unabhängigkeit, der Toleranz und Freiheitsliebe.
Es waren tausende von Jugendlichen, die sich auf
ihre Art dem Zwang der Nazis entzogen haben. Es
war spontaner Widerstand. Viele junge Edelweißpiraten
hatten kein intellektuell geprägtes geschlossenes
Weltbild; gemeinsam war allen jedoch der Wunsch
nach Freiheit und persönlicher Entfaltung.
In der Region Köln war die Edelweißbewegung recht
stark vertreten. Wir wissen heute auch vom aktiven
politischen Widerstand einzelner Jugendlicher und
Jugendgruppen. Die überlebenden Piraten haben
darüber in Büchern und Erzählungen berichtet. Mich
persönlich haben die Edelweißpiraten in den Bann
gezogen. Ich habe großen Respekt vor der Haltung,
sich nicht wegzuducken, nicht anzupassen, nicht den
Heilsverkündern hinterherzulaufen. Edelweißpiraten
haben in großer eigener Gefahr von den Nazis
verfolgten Menschen geholfen und ihr Leben gerettet.

Nachdem dies über viele Jahrzehnte in der Nachkriegs-
zeit verdrängt, ignoriert oder geleugnet wurde, sind
die Edelweißpiraten, die aktiven politischen Widerstand
geleistet hatten, heute rehabilitiert. Ihr Mut und ihr
Eintreten für Verfolgte ist öffentlich und offiziell aner-
kannt und geehrt worden. Ich bin froh, dass ich dabei
mitwirken konnte.«

Jürgen Roters

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Grußwort der Bürgermeisterin Angela Spizig zum
Edelweißpiraten-Festival 2008
Zum vierten Mal findet in Köln das Edelweißpiraten-
Festival statt, und zum vierten Mal darf ich Schirmherrin
sein. Mit Freude und Bewunderung konnte ich über die
Jahre feststellen, wie das Festival sich entwickelte und
immer mehr und neue Besucher und Teilnehmer fand.
Beim Konzert im Friedenspark begegnen wir den
unterschiedlichsten Gruppen: jungen Musikern,
internationalen Bands, und vor allem den Zeitzeugen,
den überlebenden Edelweiß-Piraten wie Mucki Koch,
Hans Fricke und Jean Jülich – Jean immer noch mit
Gitarre! Sie haben als Jugendliche ihre Lieder gesungen,
sie haben nicht bei der Hitlerjugend mitgemacht, sie
haben sich gegen die Nazi-Herrschaft aufgelehnt, und
viele ihrer Freunde haben ihre Haltung teuer bezahlen
müssen - sie wurden gefoltert und hingerichtet.
Das Festival erinnert an diese Jugendgruppen und an
ihren Mut, unangepasst zu sein, ihren Sehnsüchten
und Idealen zu folgen, sich nicht dem Zwang des
Hitlerregimes zu unterwerfen. Es schlägt eine Brücke
zur Gegenwart: während wir den Musikern zuhören,
uns an der Musik erfreuen, stellen wir uns die Frage,
wie viel Mut wir wohl damals aufgebracht hätten –
und wie weit wir heute bereit sind, uns für eine
gerechte, demokratische und solidarische Gesellschaft
einzusetzen.
In einem inspirierenden Rahmenprogramm werden
solche Fragen vertieft – neben viel Musik für alle
Altersgruppen gibt es Podiumsdiskussionen und die
berührende Ausstellung des NS-Dokumentations-
zentrum „Von Navajos und Edelweißpiraten“, die im
Baui-Saal besichtigt werden kann. Ganz aktuell ist
das Spezialthema: „Von Christen, Kommunisten und
anderen Idealisten“.
Allen, die das Edelweißpiraten-Festival mitgestalten,
danke ich ganz herzlich und wünsche ihnen viele
aufgeschlossene und begeisterte Besucher, die sich
von der Geschichte und den Liedern der Edelweiß-
piraten bewegen lassen!

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»Der »Bauspielplatz Friedenspark« ist Ort und Teil
des Festivals. Sein Name ist Programm: Bis in die
80er Jahre hieß der Park noch »Hindenburgpark«,
bevor eine Friedensinitiative die Umbenennung
durchsetzte. Unsere Adresse, Hans-Abraham-Ochs-
Weg 1 erinnert seit zwei Jahren an einen achtjährigen
Jungen, der 1938 im benachbarten Römerpark  wegen
seiner jüdischen Abstammung von HJ-Jugendlichen
totgeschlagen wurde. Zu diesem Thema führten
»Baui-Kids« 2004 ein beeindruckendes Musical auf.
Unser offenes Kinder- und Jugendzentrum ist keine
Flipper-Fluchtburg. Hier übernehmen Jugendliche
Verantwortung, politisch und musikalisch: Wir sind
stolz, dass für nicht wenige der Festival-Musiker die
erste Bühne eine Baui-Bühne war. Der Baui ist ständig
von Streichungen bedroht. Helft dem Baui – er hilft
euren Kindern!«

»Edle, weiße Piraten!
Eigentlich sind alle Kids Eure Fans. Immer wieder
rebellieren sie gegen eine Kultur, die ihnen vorgekaut
wird. Sie wollen ihre eigene schaffen, ihre Gefühle
unabhängig zum Ausdruck bringen. Deshalb feiern
sie gern mit Euch. Auch wenn ihre Musik heute anders
klingt, das eine oder andere Lied bleibt bestimmt
hängen!«

Gottfried Schweitzer,
Offenes Kinder- und Jugendzentrum
»Bauspielplatz Friedenspark«

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»Im Dritten Reich gab eine beachtenswerte Gruppe
von Jugendlichen, die sich dem Drill und der Unter-
ordnung des Naziregimes entzogen. Darunter waren
auch zahlreiche Edelweißpiraten. Sie zeigten den
Unterschied zur Hitlerjugend durch ihre Kleidung
und durch die Musik, die zu ihren gemeinsamen
Treffen gespielt wurde. Es ist spannend, sich mit
diesen Liedern in die damalige Zeit und ihre Gefühle
versetzen zu lassen!  Das Festival wird dazu beitragen,
die Lieder nicht zu vergessen. Sie gehören zu unserer
Musiktradition. Vieles ist heute noch aktuell.«

Jürgen Roters,
Regierungspräsident

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»Was uns mit den Edelweißpiraten verbindet, ist
die Lust auf Musik, das Musizieren in Parks und auf
Plätzen. Was uns von ihnen unterscheidet, ist die
Zeit in der wir leben.
Was uns beeindruckt, dass sie Musik als Widerstand
ausübten. Und Musik ist eine ideale Form des Wider-
standes: So gewaltlos in ihrer Art, so gewaltig in
ihrem Ausdruck«

Betsy de Torres,
Eierplätzchenband

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»Eigentlich gehören Liedgutpflege und Open-Air-
Festivals nicht zu den Kernaufgaben des NS-
Dokumentationszentrums. Dem Edelweißpiraten-
festival sind wir aber mehrfach verbunden. Erstens
haben wir seit unserer Ausstellung »Von Navajos
und Edelweißpiraten – Unangepasstes Jugendver-
halten in Köln 1933-1945« (2004) darauf hingear-
beitet, dass die Musik dieser naziresistenten
Jugendszene dem Vergessen entrissen und
»jugendkompatibel« neu aufgelegt wird. Bisheriges
Ergebnis ist das vom NS-Dokumentationszentrum
angeregte Buch/CD/Film-Projekt »Es war in
Schanghai«, das sich reger Nachfrage erfreut.
Zweitens bietet gerade das Festival den geeigneten
Rahmen, Jugendlichen die Lieder und Verhaltens-
weisen der unangepassten Jugend der NS-Zeit
nahe zu bringen. Und drittens ist der gemeinsame
Auftritt ehemaliger Edelweißpirat/innen und heutiger
Bands nicht nur für die Beteiligten ein großer Spaß,
sondern auch ein lebendiges Zeichen dafür, dass die Edelweißpirat/innen nach Jahrzehnten endlich Aner-
kennung finden. In diesem Sinne treten wir gerne
als Mitveranstalter des Festivals auf und wünschen
uns seine regelmäßige Fortsetzung.«

Nicola Wenge,
NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln

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»Wir Zugvögel bringen uns gern in das Festivalprojekt
ein, weil es einen bisher wenig beachteten Aspekt der
deutschen Geschichte über das Medium Musik zugäng-
lich und erfahrbar macht. Zudem fühlen wir uns den
Edelweißpiraten durch die »bündische« Liedertraditon
sehr verbunden. Singen als Bühnenvortrag ist für uns
nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Insofern ist
uns Lebendigkeit beim Singen wichtiger als musika-
lische Perfektion. Ähnlich wie die Edelweißpiraten
gebrauchen wir Lieder als kulturellen Rahmen für
unser freundschaftliches Beisammensein.    
Jörg »Plauder« Seyffarth
von den Zugvögeln

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Wir interessieren uns für das Projekt, weil unser
eigener musikalischer Impetus viel mit dem der
Edelweißpiraten zu tun hat. Volks- und Straßenmusik
eben. Und dann sind »unsere Piraten« ja nicht nur
Piraten, sondern auch Kölsche! Und so hat sich beim
gemeinsamen Singen von alten kölschen Leedchern
ein richtig herzliches Verhältnis entwickelt mit Mucki
& Willi und Helga & Peter.
Die sin richtig herrlich, die vier!

Bettina Wagner,
SakkoKolonia

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Natürlich hatten wir schon von den Edelweißpiraten
gehört,zumindest von jener handvoll Ehrenfelder
Jugendlicher, deren tragische Geschichte alle Jahre
wieder zu verbissenen Diskussionen führte.
Als wir dann aber die Fotos im NS-Dokumentations-
zentrum sahen – dutzende fröhlicher, adrett gekleideter
Naturburschen und mädels, die sich in malerischer Umgebung zumeist um Gitarren scharten – spürten
wir: Hier klafft eine mekwürdige Lücke in unserem
Geschichtsbild.

Wenig später bekommen wir im Rahmen des Edel-
weißpiraten-Musikprojekts die Gelegenheit, einige
dieser Jugendlichen kennen zu lernen, gut 60 Jahre
älter, aber scheinbar ebenso fröhlich, kämpferisch
und sangesfreudig wie auf den alten Fotos.
In die Gespräche über Ihre Lieder mischen sich
immer wieder Anekdoten, roman-tische und freche,
dann zunehmend dramatischere, verzweifelte.
Sie wollen keine Helden gewesen sein, sie hätten nur
getan, was normale Jugendliche eben so tun: Singen,
flirten, raus in die Natur ein bisschen Freiheit genießen.
Und sich wehren, wenn sie angegriffen wurden von den
Hitlerjugendbanden.

Nicht wenige zahlten einen hohen Preis für ihre
jugendliche Zivilcourage: Gestapohaft, Folter, Arbeits-
lager. Und nach dem Krieg, statt Dank und Trost,
pauschale Diffamierung und kollektive Verdrängung.

Doch die Geschichte der Edelweißpiraten und anderer
naziresistenter Jugendgruppen ist noch nicht zu Ende.
Immer noch sind viele Überlebende unter uns und
freuen sich, wenn ihr Bild endlich zurechtgerückt wird:
Raus aus dem Orkus derGeschichte, rein in die Parks
und in die Herzen all  jener, die lieber freche Lieder
singen als mit dem Strom zu schwimmen.

So hat sich denn im Jahre 2005 nach und nach eine
Festivalensemble formiert, um nach Edelweißpiratenart
in lauschigen Parkwinkeln zu musizieren. In seiner
Vielfalt - Musikanten von Mexiko bis Bulgarien, vom
Kindergartenchor bis zur Latin Combo - steht es auch
für die Ideale  jener  friedliebenden Piraten, für ihr
Fernweh und ihre Sehnsucht nach einer offeneren,
gerechteren Heimat.

Jan Ü. Krauthäuser
für das Festival-Team

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»Auch die Lieder gefielen mir besser«

Am 16. Juni 2005 wurden vier Edelweißpiraten von
Regierungspräsident Jürgen Roters offiziell als Wider-
standskämpfer anerkannt, die 1944 im Alter von 16
und 17 Jahren in Ehrenfeld hingerichtet worden waren.
Roters befasst sich seit einiger Zeit mit der Materie,
da es ihm ein Anliegen ist, frühere Fehler seiner
Behörde auszubügeln. Bis 1984 wurden die Edel-
weißpiraten bei der Entschädigungsbehörde noch
als Kriminelle geführt, ein Gutachten von 1988
bescheinigte ihnen dann, sie seien zwar keine Krimi-
nellen aber auch keine Widerstandskämpfer, dafür
fehle ihnen die »hohe ethische Gesinnung«. Es sollten
also 61 Jahre vergehen bis der Mut und die Taten 
dieser Jugendlichen offiziell anerkannt wurden.

Fast ebenso lange waren auch ihre Lieder verschwun-
den, die eine große Bedeutung für die Edelweißpiraten
hatten. Jugendliche definieren sich ja gern über ihre
Musik und ihr Aussehen. Der Punk schreibt die Namen
seiner Lieblingsbands  dick auf seine Lederjacke, der
halbstarke Rock'n'Roller trug Jeans und Haartolle und
auch da wo Pop sich heute links findet, spielen ver-
schiedene Kleidermoden eine Rolle.

Das war in den vierziger Jahren gar nicht so anders,
nur erheblich gefährlicher. So schildert Jean Jülich in
seinen Erinnerungen, womit ihn die Edelweißpiraten
1942 beeindruckten: »Als erstes fiel mir die Kleidung
auf. Die Jungen hatten lange Haare statt der streich-
holzkurzen Nazi-Stoppeln, sie trugen kurze Hosen
mit Lederbesatz, karierte Hemden und Halstücher
und wuchtige Kraftriemchen an den Handgelenken,
auf denen ein Edelweiß abgebildet war... Auch die
Lieder gefielen mir besser.« Besser als die der Nazis,
nämlich. »Es waren russische Lieder, Cowboylieder,
Schlagerschnulzen«.

Die Ausstellung »Von Navajos und Edelweißpiraten -
Unangepasstes Jugendverhalten in Köln 1933-1945«,
die bis Anfang dieses Jahres im ELDE-Haus zu sehen
war, war Auslöser für das Projekt »Es war in Schanghai«,
dessen Arbeit als CD-Buch inklusive DVD dokumentiert
ist. Auf der CD interpretieren 16 Kölner Bands diese
Lieder neu. Mal nah am Original, mal meilenweit davon
entfernt, finden sich hier die unterschiedlichsten
Musikstile wieder: Waldhorn-Reggae mit zerbrech-
lichem Gesang, poppiger Rap, Elektro-Pop, Mestizo-
Sound. Die Lieder der Bündischen Jugend sind oft
kaum wiederzuerkennen. Das sei, so Jean Jülich,
gewöhnungsbedürftig: »Doch wenn wir der Jugend
etwas mitteilen wollen, müssen wir ihre Sprache
sprechen.«

Viele der Bands, die auf der CD vetreten sind, sind
auch beim »Edelweißpiratenfestival« wieder dabei.
So werden im Friedenspark auch neue und klassische
Fassungen der alten Fahrtenlieder erklingen, aber
nicht ausschließlich. Es wird eine außerordentliche,
bunte Musikmischung zu hören sein. Initiator Jan Ü.
Krauthäuser: »Als wir an 'Es war in Schanghai'
arbeiteten, stellten wir fest, welch wichtiges, identi-
tätsstiftendes, regionales Kulturpotential hier sechzig
Jahre nahezu unbeachtet geblieben ist.« Das Edel-
weißpiratenfestival soll jedoch nicht nur jenen ca.
5.000 naziresistenten Kölner Jugendlichen ein leben-
diges Denkmal setzen, die  dem NS-Terror getrotzt
haben. »Es möchte auch die Ge-
legenheit bieten, sich weiterhin vom Geist der Edel-
weißpiraten und verwandter Jugendgruppen musi-
kalisch und moralisch inspirieren zu lassen«.

So wählte man als Veranstaltungsort auch einen
Park, waren Parks doch die Orte, an denen sich die
Edel-weißpiraten trafen und sangen. Fünf Bühnen
sind im Friedenspark verteilt, und die Besucher
können, vielleicht mit einem Getränk in der Hand,
bald hier- bald dorthin schlendern: Vom punkigen
Shanty-Chor zum elektrischen Lied, vom bündischen
Gesang der Zugvögel zur kölschen Krätzchen-Combo,
die mit Kölner Edelweißpiraten zusammen auftritt.
Und wer will, kann auch selber zur Gitarre greifen
und sich mit dieser Broschüre unter einem Baum
niederlassen. Denn dieses Heftchen ist ein kleines
Liederbuch, einige ausgewählte Lieder, die auch auf
dem Festival zu hören sein werden, sind im hinteren
Teil abgedruckt.

Das Edelweißpiratenfestival im Friedenspark ist aus
Dankbarkeit und Begeisterung für eine fast vergessene
Anti-Hitler-Jugendbewegung entstanden. Stellvertre-
tend für alle, die 2004 an der Wiederentdeckung der
Musik der Edelweißpiraten mitgewirkt hatten, über-
reichte Mucki Koch Projektleiter Jan Ü. Krauthäuser
ihr altes Edelweiß: »Dafür dass Du mit uns 'raus ins
Land gehst und zeigst, dass wir noch da sind. Und
dass unsere Lieder wieder gesungen werden«.

Christian Gottschalk
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Artikel Stadtanzeiger 25.06.05:

http://www.ksta.de/servlet/OriginalContentServer?
pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=
1118069776847&calledPageId=987490165154

Edelweißpiraten: "Ganz normale Jugendliche"

Am Sonntag findet das erste Edelweißpiratenfestival
mit Überlebenden der Bewegung und 20 Kölner
Musikern und Bands statt. Frank Sawatzki sprach
mit Initiator Jan Krauthäuser vom Humba e.V. über
den lange vergessenen jugendkulturellen Aspekt
der Nazi-Widerstandsgruppen.
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Krauthäuser, der
offiziellen Anerkennung der Edelweißpiraten als
Widerstandskämpfer durch den Regierungs-
präsidenten Roters folgt nun eine Art Versinn-
lichung im Konzertkontext. Erst spät wurden die Edelweißpiraten als jugendkulturelles Phänomen
wahrgenommen. Was macht sie aus heutiger
Sicht dazu?

JAN KRAUTHÄUSER:
Die Edelweißpiraten waren
zwischen 14 und 20 Jahren alt, sie trafen sich in
kleinen Gruppen zum Musizieren, in Parks und auf
Plätzen oder unternahmen gemeinsame Ausflüge
in die Natur. Sie waren Teil der Bündischen Jugend,
die unter den Nazis fast komplett in die Hitlerjugend
überführt wurde. Wer sich dem entzog, musste schon
ziemlich mutig sein und wurde dann zunehmend
kriminalisiert. Was sie darüber hinaus zur Jugend-
kultur macht, ist Ihr „dresscode“ - wilder, roman-
tischer, bunter als die Nazigesellschaft vorgab.
Und ihre Identifikation über bestimmte Lieder,
bestimmte Rituale - ihre gemeinsamen Ideale,
die sich radikal von der herrschenden Erwach-
senen-Ideologie absetzten.

Wie unterschieden sich ihre Lieder von denen
anderer Gruppierungen der Zeit ?

KRAUTHÄUSER: Typisch für die Edelweißpiraten
sind romantische Fahrtenlieder. Ihr Liedgut erinnert
aus heutiger Sicht eher an Heino oder die Pfadfinder,
in einigen Umdichtungen kommt der  rebellische
Aspekt der Jugendbewegung zutage, so bekam
das sehr  populäre Lied „Hohe Tannen“ folgende
Endstrophe: „Rübezahl, hör, was wir dir sagen /
Die bündische Jugend ist nicht mehr frei / Schwingt
den Spaten der Edelweißpiraten / Schlagt die
bündische Jugend wieder frei (oder: Schlagt die
Hitler-Jugend entzwei).“

Was kann das Jugendlichen heute sagen?

KRAUTHÄUSER: Für heutige Jugendliche ist es sehr
wichtig zu wissen, dass es nicht nur ein paar Offiziere
und Studenten gab, die sich gegen die Nazi-Barbarei
aufgelehnt haben, sondern einige Tausend ganz normale
Jugendliche. Und es zeigt uns allen, dass Jugendkultur
nicht nur eine lästige Randerscheinung ist, sondern ein 
wichtiges Instrument, die Werte und die Entwicklung
einer Gesellschaft in Frage zu stellen. Es ist kaum
nachzuvollziehen, dass die Edelweißpiratenbewegung,
die in Köln ihre Hochburg hatte, dem ausgeprägten
Lokalpatriotismus der Kölner entgangen ist. Es hatte
wohl  unter anderem damit zu tun, dass die Nach-
kriegsgesellschaft kein Interesse daran hatte, zu
dokumentieren, dass ein Häuflein Arbeiterkinder
klüger und mutiger gewesen war als die ahnungslosen
Massen des Hitlerregimes.

Die Linke hatte jahrelang Probleme mit den
Edelweißpiraten und ihrer Kultur, warum?

KRAUTHÄUSER: Im Entsetzen über die unglaublichen
Verbrechen Nazideutschlands hat man falsche Ver-
einfachungen vorgenommen: Es gab halt nicht nur
eine völkische Volkskultur, sondern auch eine Kon-
tinuität positiver Traditionen, wie sie zum Beispiel
von den Edelweißpiraten über diese Zeit gerettet
wurde. Man muss da manchmal genau hinschauen
beziehungsweise den alten Edelweißpiraten gut
zuhören, um zu begreifen, wo die Unterschiede
liegen. So gab es Lieder, die zuerst auch von der
HJ begeistert gesungen wurden, bis deren Chef-
ideologen auffiel, dass darin individuelle Freiheit
und Internationalismus gefeiert wurden. Statt einer
kreativen Auseinandersetzung mit der eigenen
Popularkultur haben aber weite Teile der Linken
versucht, die eigene Kultur durch externe Kulturen
zu ersetzen. Zwar ist dieser Exotismus auch ein
schönes Kontinuum der deutschen Kultur, es fehlt
ihm nur diese verzweifelte Heimatliebe, die eine
Befreiungsbewegung wie die der Edelweißpiraten
ausmacht.

Edelweißpiratenfestival: Friedenspark in der
Kölner Südstadt, u. a. mit Rolly Brings, der
Microphone Mafia und Harald Sack Ziegler,
Titusstraße / Ecke Oberländerwall,
26.6. ab 14.30 Uhr, Eintritt frei.



http://www.taz.de/pt/2005/06/20/a0036.nf/text


"Sonst sind deutsche Roots pfui"

Beim 1. Edelweißpiraten-Festival am Sonntag
werden 20 Bands die Lieder der Kölner Jugend-
gruppe spielen. Deren Musiktradition war zu
Unrecht lange verschüttet, sagt Initiator Jan Ü.
Krauthäuser

INTERVIEW SUSANNE GANNOTT
taz: Herr Krauthäuser, Sie sagen, die Edelweiß-
piraten könnten musikalisch und moralisch ein
Vorbild sein, das man wieder aufleben lassen
sollte. Wieso eigentlich, was können sie uns
heute noch sagen?


Jan Ü. Krauthäuser: Sie sagen uns, dass unsere
Vergangenheitsbewältigung merkwürdige Lücken
aufweist. Während die Linke das Kind mit dem Bade
ausgeschüttet hat, hat die Rechte Dinge vereinnahmt,
die ihr nicht zu-
stehen. Ein Beispiel: Die Edelweißpiraten, die ich
kenne, sind überwiegend Heino-Fans. Weil Heino der
einzige bekannte Künstler ist, der einen Großteil
ihres Liederrepertoires in den letzten Jahrzehnten
interpretiert hat. Die Lieder waren ja nicht Edelweiß-
piraten-spezifisch, sondern kamen aus der bün-
dischen Jugend- und Wandervogelbewegung. Heino
ist also ihr Held. Gleichzeitig hat er mit seinen Liedern
auch eine rechte Klientel bedient. Aber die linke
Klientel hat sich von ihren eigenen musikalischen
Wurzeln einfach abgewandt. Die Folge: Von Linken
werden die Edelweißpiraten bis heute nur in einem
politisch-moralischen Zusammenhang anerkannt,
als edle Opfer - nicht als Kulturträger. Aber was den
heute noch lebenden Edelweißpiraten wie Mucki Koch
oder Jean Jülich am Herzen liegt, ist junge Leute
kennen zu lernen, die mit ihnen ihre Lieder singen.

Aber musikalisch ist das doch sehr rückwärts
gewandt?

Wo ist rückwärts und wo ist vorwärts? Die pro-
gressiven Musikbewegungen, auf die wir uns sonst
beziehen, sei es Blues, Reggae, Jazz, gehen alle
zu ihren Wurzel zurück. Was die Afroamerikaner
als erste und am breitesten praktiziert haben, ist
von vielen übernommen worden: sich der ver-
schütteten Musiktradition der Vorfahren zu widmen.
Aber das ist ein Motiv, das wir hoch intellektuelles
Kulturvolk von Deutschen nur den Anderen zubilligen,
nicht uns selbst: Denn deutsche Roots sind pfui.
Und das ist ein Denkfehler!

Die Edelweißpiraten haben ja allein schon mit
ihrer Musik Widerstand geleistet. Inwiefern ist
das heute noch politisch, wenn man solche
Musik macht?

Die Rolle von Musik ist heute natürlich ganz anders.
Aber was bei uns mehr verloren gegangen ist als
es hätte sein müssen, ist der kommunikative Aspekt
von Musik. Dass sich die Leute vor Ort zusammen tun,
das ist für mich gerade bei regionaler Musik wichtig:
sich treffen und gemeinsam singen und sich dadurch
auch, ob emotional oder inhaltlich, in der Gesellschaft
positionieren. Zum Beispiel mit diesem Edelweißpira-
ten-Festival.
Wir singen deren Lieder, denn wir finden das toll,
was die damals gemacht haben. Und wir finden es
furchtbar, wie wenig das eine Rolle spielt in unserem
Geschichtsbild, in unserem Kulturkalender. Mein
Wunsch wäre deshalb, die Geschichte der Edelweiß-
piraten im aktuellen Brauchtum zu verankern.

Gerade wurden vier ermordete Edelweißpiraten
vom Regierungspräsidenten als Widerstands-
kämpfer anerkannt. Für die Gruppe als solche
steht das noch aus. Wie sehen Sie das?

Dass Jürgen Roters jetzt die Ermordeten ehrt, ist
ein erster Schritt. Natürlich sagen böse Zungen, dass
es einfacher ist, Tote zu ehren als sich mit den Leben-
den auseinander zu setzen. Andererseits muss man
sagen, dass so eine amtliche Ehrung überflüssig wäre,
wenn den Leuten die Position in der Gesellschaft und
Geschichte zugebilligt würde, die ihnen zusteht. Zwar
gibt es heute nicht mehr viele Störfeuer von Rechts,
aber trotzdem sind die Piraten immer noch mit einem
großen Verdacht belegt. Nach dem Motto: Es wird
schon seinen Grund haben, dass man sie immer als
Asis diskriminiert hat.
Und dann müsste man eigentlich auch fragen: Was
heißt denn "ehren"? Eine Urkunde in die Hand drücken
- oder ein musikalisches Fest veranstalten, so wie wir
es jetzt machen?
Sonntag, 26.06. ab 14.30 Uhr im Konzert Parcours
im Friedenspark (Titustraße) u.a. mit La Papa Verde,
Klaus der Geiger, Werle & Stankowski, Eierplätzchen-
band, Microphone Mafia, Rolly Brings Band sowie
Mucki Koch, Jean Jülich und anderen Zeitzeugen
taz Köln Nr. 7694 vom 20.6.2005, Seite 4, 133 Zeilen
(Interview), SUSANNE GANNOTT

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